In der industriellen Blechbearbeitung gehören Laser zu den präzisesten und flexibelsten Werkzeugen. Je nach Material und Anforderung kommen unterschiedliche Trennverfahren zum Einsatz. Besonders häufig werden das Laserschmelzschneiden und das Laserbrennschneiden (auch Laser-Sauerstoffschneiden) miteinander verglichen.
Dieser Beitrag erklärt die beiden Verfahren, zeigt die technischen Unterschiede und gibt eine Orientierung, welches Verfahren sich für welche Anwendungen eignet.
Beim Laserschmelzschneiden wird das Material durch den Laserstrahl geschmolzen.
Das flüssige Metall wird anschließend mit hohem Gasdruck — meist Stickstoff — aus der Schnittfuge ausgeblasen.
Charakteristisch:
Schmelzen des Materials
Ausblasen durch inert wirkendes Gas (z. B. Stickstoff)
Keine Oxidation
Sehr saubere Schnittkante
Beim Laserbrennschneiden erhitzt der Laser das Material bis zur Entzündungstemperatur.
Der zugesetzte Sauerstoff löst eine exotherme Reaktion aus: das Material verbrennt und wird als Eisenoxid aus dem Schnitt entfernt.
Charakteristisch:
Material verbrennt / oxidiert
Sauerstoff als Schneidgas
Exotherme Reaktion unterstützt den Prozess
Höhere Schneidgeschwindigkeiten bei dickem Stahl
| Merkmal | Laserschmelzschneiden | Laserbrennschneiden |
|---|---|---|
| Schneidgas | Stickstoff | Sauerstoff |
| Prozess | Material schmilzt | Material oxidiert / brennt |
| Schnittkante | Glatt, metallisch blank | Dunkel, oxidiert |
| Nacharbeit | Sehr gering bis keine | Oft erforderlich (z. B. Entgraten) |
| Materialdicke | Ideal für dünne bis mittlere Stärken | Ideal für dickere Stähle |
| Geschwindigkeit | Hoch bei dünnen Blechen | Hoch bei dicken Blechen |
| Wärmeeinflusszone | Gering | Größer |
| Materialeignung | Edelstahl, Aluminium, hochlegierte Stähle | Unlegierter / niedriglegierter Stahl |
Edelstahl
Aluminium
Dünne Bleche bis mittlere Materialstärken
Sichtteile
Bauteile mit geringen Toleranzen
Teile, die ohne Nacharbeit weiterverwendet werden sollen (z. B. beim Kanten)
Vorteile:
Saubere, glänzende Schnittkanten
Keine Oxidation
Kaum Nacharbeit
Sehr hohe Präzision
Baustahl (S235 / S355)
Dickere Bleche
Anwendungen, bei denen Oxidation nicht stört
Preisbewusste Serienfertigung
Vorteile:
Sehr wirtschaftlich bei großen Materialstärken
Hohe Schneidgeschwindigkeit bei dickem Stahl
Geringerer Gasverbrauch (Sauerstoff günstiger als Stickstoff)
Höherer Gasverbrauch (Stickstoff)
Beste Schnittqualität
Geringe Nacharbeitskosten
Ideal für hochwertige Anwendungen
Günstigeres Schneidgas (Sauerstoff)
Leichte bis starke Oxidation an der Schnittkante
Teilweise notwendiges Entgraten
Wirtschaftlich für dicke Bleche und Standardbauteile
Die Wahl zwischen Laserschmelzschneiden und Laserbrennschneiden hängt im Wesentlichen von:
Material
Materialdicke
Qualitätsanforderungen
Stückzahlen
Budget
ab.
Laserschmelzschneiden ist optimal für hochwertige, präzise Bauteile und dünnere Materialien.
Laserbrennschneiden überzeugt bei dickem Stahl und wirtschaftlicher Serienfertigung.
Moderne Lasermaschinen beherrschen beide Verfahren und können je nach Auftrag flexibel umschalten – was die Produktivität und Vielseitigkeit in der Blechbearbeitung deutlich steigert.