Wissensdatenbank

Laserschmelzschneiden vs. Laserbrennschneiden – Unterschiede, Funktionsweise und Einsatzbereiche

Geschrieben von Markus Loos | 15.01.2026 11:00:00

In der industriellen Blechbearbeitung gehören Laser zu den präzisesten und flexibelsten Werkzeugen. Je nach Material und Anforderung kommen unterschiedliche Trennverfahren zum Einsatz. Besonders häufig werden das Laserschmelzschneiden und das Laserbrennschneiden (auch Laser-Sauerstoffschneiden) miteinander verglichen.

Dieser Beitrag erklärt die beiden Verfahren, zeigt die technischen Unterschiede und gibt eine Orientierung, welches Verfahren sich für welche Anwendungen eignet.

1. Grundlagen der beiden Verfahren

Laserschmelzschneiden (Fusion Cutting)

Beim Laserschmelzschneiden wird das Material durch den Laserstrahl geschmolzen.
Das flüssige Metall wird anschließend mit hohem Gasdruck — meist Stickstoff — aus der Schnittfuge ausgeblasen.

Charakteristisch:

  • Schmelzen des Materials

  • Ausblasen durch inert wirkendes Gas (z. B. Stickstoff)

  • Keine Oxidation

  • Sehr saubere Schnittkante

Laserbrennschneiden (Oxidationsschneiden / Laser-Oxygen Cutting)

Beim Laserbrennschneiden erhitzt der Laser das Material bis zur Entzündungstemperatur.
Der zugesetzte Sauerstoff löst eine exotherme Reaktion aus: das Material verbrennt und wird als Eisenoxid aus dem Schnitt entfernt.

Charakteristisch:

  • Material verbrennt / oxidiert

  • Sauerstoff als Schneidgas

  • Exotherme Reaktion unterstützt den Prozess

  • Höhere Schneidgeschwindigkeiten bei dickem Stahl

2. Technische Unterschiede im Überblick

Merkmal Laserschmelzschneiden Laserbrennschneiden
Schneidgas Stickstoff  Sauerstoff
Prozess Material schmilzt Material oxidiert / brennt
Schnittkante Glatt, metallisch blank Dunkel, oxidiert
Nacharbeit Sehr gering bis keine Oft erforderlich (z. B. Entgraten)
Materialdicke Ideal für dünne bis mittlere Stärken Ideal für dickere Stähle
Geschwindigkeit Hoch bei dünnen Blechen Hoch bei dicken Blechen
Wärmeeinflusszone Gering Größer
Materialeignung Edelstahl, Aluminium, hochlegierte Stähle Unlegierter / niedriglegierter Stahl

3. Wann eignet sich welches Verfahren?

Laserschmelzschneiden – ideal für:

  • Edelstahl

  • Aluminium

  • Dünne Bleche bis mittlere Materialstärken

  • Sichtteile

  • Bauteile mit geringen Toleranzen

  • Teile, die ohne Nacharbeit weiterverwendet werden sollen (z. B. beim Kanten)

Vorteile:

  • Saubere, glänzende Schnittkanten

  • Keine Oxidation

  • Kaum Nacharbeit

  • Sehr hohe Präzision

Laserbrennschneiden – ideal für:

  • Baustahl (S235 / S355)

  • Dickere Bleche

  • Anwendungen, bei denen Oxidation nicht stört

  • Preisbewusste Serienfertigung

Vorteile:

  • Sehr wirtschaftlich bei großen Materialstärken

  • Hohe Schneidgeschwindigkeit bei dickem Stahl

  • Geringerer Gasverbrauch (Sauerstoff günstiger als Stickstoff)

4. Auswirkungen auf Kosten und Qualität

Laserschmelzschneiden

  • Höherer Gasverbrauch (Stickstoff)

  • Beste Schnittqualität

  • Geringe Nacharbeitskosten

  • Ideal für hochwertige Anwendungen

Laserbrennschneiden

  • Günstigeres Schneidgas (Sauerstoff)

  • Leichte bis starke Oxidation an der Schnittkante

  • Teilweise notwendiges Entgraten

  • Wirtschaftlich für dicke Bleche und Standardbauteile

5. Fazit: Welches Verfahren ist das richtige?

Die Wahl zwischen Laserschmelzschneiden und Laserbrennschneiden hängt im Wesentlichen von:

  • Material

  • Materialdicke

  • Qualitätsanforderungen

  • Stückzahlen

  • Budget
    ab.

Laserschmelzschneiden ist optimal für hochwertige, präzise Bauteile und dünnere Materialien.
Laserbrennschneiden überzeugt bei dickem Stahl und wirtschaftlicher Serienfertigung.

Moderne Lasermaschinen beherrschen beide Verfahren und können je nach Auftrag flexibel umschalten – was die Produktivität und Vielseitigkeit in der Blechbearbeitung deutlich steigert.